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Vormustern und Beurteilen von Zuchtpferden
Geschrieben von Karin Schweiger   

ImageAuf der Reitanlage Rafenstein in Hennef fand unter der Schirmherrschaft des Zuchtbezirks Rheinland ein eintägiges Musterungs- und Beurteilungsseminar statt. Organisatorin Simone Schönbeck und Anlagenchefin Dagmar Weber hatten sich mächtig ins Zeug gelegt und ein erstklassiges Angebot auf die Beine gestellt, die Referenten Erhard Schulte und Kai Jasper Spengemann bürgten für hohes Niveau.

Besser geht kaum noch: Eine Traum-Anlage mit im wahrsten Sinne des Wortes allen Möglichkeiten, ein engagiertes Team von Organisatoren, perfekt zusammengestellte vierbeinige Models und zwei hochkarätige Referenten. Wer da nicht dabei war, ist wirklich selber schuld. Der einzige Wermutstropfen: Die Teilnehmerzahl sorgte zwar für eine sehr arbeitsintensive Atmosphäre und einen „gehaltvollen“ Kurs, dürften aber für die Organisatoren eher ein Draufzahlen bedeutet haben.

ImageErhard Schulte als Referent betonte denn auch zu Recht mehrfach, wie wichtig solche Seminare gerade für kleine (Trakehner-)Züchter und ihr Umfeld sind. In der heutigen professionell geprägten Schaulandschaft ist eine objektive Einschätzung der eigenen Pferde und des eigenen Könnens unerlässlich, um eine für das Pferd und dessen Vermarktung richtige Entscheidung für die Vorstellung bei Eintragungen und Schauen zu treffen.

Der Kurstag begann mit einer theoretischen Einführung zum Exterieur des Pferdes. Denn das ideal konstruierte Pferd ist züchterisch anzustreben, obgleich dieses nicht unbedingt das sportlich erfolgreichste sein muss. Denn in ganz vielen Fällen siegt das Pferd mit Kopf und Herz, womit das Selektionskriterium Leistungsbereitschaft ganz prominent in den Fokus rückt. Auch mahnten die Referenten an, dass ein aufgrund der heutzutage optimalen Fütterung „fertig“ aussehendes Pferd noch längst nicht ausgereift und damit bereit für die reiterliche Arbeit sein muss.

“Seien Sie mit sich selbst im Reinen, gehen Sie positiv an ein Pferd heran“, schrieb Schulte den Teilnehmern ins Stammbuch. Zuerst gelte es, das Pferd als Gesamtes auf sich wirken zu lassen und erst dann in die Details seines Exterieurs zu gehen. Ein Korrektheitsfanatismus sei bei der Beurteilung von Pferden fehl am Platze.

Perfekt ergänzt wurden Erhard Schultes Ausführungen von praktischen Anleitungen durch Kai Jasper Spengemann. Der Gründer des Vereins „Partner Vollblut“ und Vorstandsmitglied des VZAP, von Kindesbeinen an mit Pferden verbunden, profilierte sich spätestens bei diesem Kurs für die, die ihn in Trakehnerkreisen noch nicht kannten, als Horseman erster Sorte. Bereitwillig öffnete er seine Schatzkiste und überraschte mit immer neuen Tipps, Tricks und Kniffen – alle garantiert legal und völlig dopingfrei. Sie erfordern nur Konzentration und Training seitens des Vorführers …

An passend gewählten vierbeinigen Modellen mangelte es auf Rafenstein auch nicht: Mehrere Stuten von der jüngeren gerittenen bis zur älteren mit Erstlingsfohlen bei Fuß, über drei Fohlen bis hin zu Nachwuchs- und Erfolgssportpferden schulten die Augen der Lehrgangsteilnehmer nicht nur in der reinen Exterieurbeurteilung, sondern auch darin, Vorgeschichte und Begleitumstände in angemessener Weise bei der Bewertung zu beachten.

Für Detailfragen der Kursteilnehmer konnten Schulte und Spengemann sich in diesem kleinen Kreis genügend Zeit nehmen, und auch persönliche Gespräche, Ratsch und Klatsch kamen in der Mittagspause bei leckerem Buffet nicht zu kurz. Abgerundet wurde der Kurs durch einen kurzen Überblick über die Hengstlinien der Trakehnerzucht nach dem Krieg.

Fazit: Eine mehr als gelungene Premiere, deren nächste Auflage die Zuchtbezirksvorstände ihren Mitgliedern wärmstens ans Herz legen sollten.
 

 
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