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DIE TRAKEHNER GESTALTETEN DAS „DRUMHERUM“ BEIM KREUTHER CROSS-COUNTRY In bewährter Weise gestalteten auch in diesem Jahr die Trakehner das Rahmenprogramm zum internationalen Vielseitigkeits-Event in Kreuth. Welche Rasse würde auch besser sowohl zur „Krone der Reiterei“ als auch zum internationalen Flair dieser Veranstaltung passen?
Turnier„Nach dem Championat ist vor dem Championat“ – so hatte der Veranstalter geworben, und Reiter aus 21 Nationen, darunter auch aus China und Japan, nutzten die Kreuther Cross-Country-Tage zwischen der EM in Pratoni del Vivaro und dem letzten großen Event der Saison in Boekelo etwa, um noch die Qualifikation für die nächste Stufe zu erlangen. Die Starterzahlen lagen freilich bei weitem nicht so hoch wie im vergangenen Jahr oder gar 2005, denn nicht umsonst ist Kursdesigner Rüdiger Schwarz bekannt dafür, dass er nichts verschenkt. 28 der 36 genannten Paare gingen in der Drei-Sterne-Prüfung an den Start, 21 blieben bis zum Schluss in der Wertung. Der Kurs war trotz tagelanger starker Regenfälle bei herrlichem Sonnenschein sehr gut zu reiten. Auf den ersten Blick erschien der Kurs anspruchsvoll, und mit entsprechendem Respekt gingen die Reiter wohl an die Aufgabe. Am Schluss hieß es dann Frauenpower vorn – Simone Deitermann und ihr Westfale Free Easy NRW legten sich mit einer erstklassigen Dressur ein komfortables Polster, verloren auch im Gelände nicht die Nerven, als sie wegen eines Sturzes aufgehalten wurden und zirkelten im Parcours eine sehr konzentrierte hindernisfehlerfreie Runde, die allerdings mit 7 Zeitfehlern ganz schön zu Buche schlug, jedoch den Sieg in keiner Weise gefährden konnte. Die einzige Trakehnerin im Feld der Drei-Sterne-Prüfung hieß KARASCADA M, stammt v. Heraldik xx/Anduc und aus der Zucht der Familie Meier. Zur 49,8-Punkte-Dressur (Rang 9) ließen die beiden gerade mal 0,8 Zeitfehler im Gelände kommen, was Rang 3 vorm abschließenden Springen bedeutete. Hier trat die Stute zweimal zu und rutschte damit auf Platz 6. Reiter Kai-Steffen Meier sicherte sich mit dieser Platzierung die Reiterwertung des Derby Dynamic Cup, einer Sonderwertung für die besten Nachwuchs-Buschreiter unter 25. Dirk Schrade verpasste einmal mehr den Siegerplatz in Kreuth, durfte dafür aber den generösen Sonderpreis der Jeep Big Four Trophy mit nach Hause nehmen. Kreuth, in diesem Jahr gleichzeitig Finale der Tour 2007 und Auftakt-Wertungsprüfung der Tour 2007/08 nach neuem Modus, ist eines der vier großen deutschen Busch-Events, das neben Marbach, Bonn-Rodderberg und Luhmühlen für die Trophy zählt. Zweiter in der Trophy-Wertung wurde Andrew Hoy, der die Kreuther Prüfung auf dem 3. Platz beendete; dritte wurde die britische Luhmühlen-Siegerin Ruth Edge. Auch in der Zwei-Sterne-Prüfung stand geballte Frauenpower vorn. Die Nationalhymne erklang für Julia Mestern (Schorsch) vor Marina Köhncke (Calma Schelly) und Franziska Roth (Dictus J). Sechs Trakehner gingen in dieser Prüfung an den Start – und sie beendeten die Prüfung alle in der Wertung! Auf Platz 6 die TSF-Werbeträgerin MISS MELLER v. Amatcho/Matador (Z/B: Helga Schloemer) unter Michael Jung. Nach 39,4-Punkte-Dressur arbeiteten die beiden sich im Gelände auf Rang 3 vor, ließen es dann im Parcours aber zweimal rappeln. BOO BANDIT v. Houston/Habicht aus der Zucht von Birgit Heusmann war mit Melanie Einsiedel auf dem 9. Platz und damit ebenfalls noch in der Platzierung. Der Schimmel kam mit seinem Dressurergebnis von 47,6 Punkten ins Ziel. An 14.Stelle liefen PETER PAN v. Hand in Glove xx/Sixtus und Kerstin Annika Elsässer ein, auf Rang 24 HERBSTMEISTER v. Kennedy/Caprimond unter Kerstin Müller, an 37. Stelle KARAT B v. Sixtus/Anduc und Kai-Steffen Meier und, last but not least, an 48. Stelle von 52 Paaren in der Wertung WELL DONE v. Wettsport/Intervall xx unter dem Österreicher Harald Riedl. Wie stets, war auch dieses Jahr in Kreuth wieder eine Ein-Sterne-Prüfung international in Form eines CIC* ausgeschrieben. Der Sieg ging an den amtierenden Bundeschampion Edino unter Kai Rüder, fünf Trakehner und zwei Halbtrakehner bei 101 Paaren in der Wertung – das ist die knapp gefasste Bilanz. Die bayerisch gebrannte Windrose a.d. WOUSTERSHIRE unter der bayerischen Juniorenmeisterin Sophie Grieger kam auf Platz 23 ein, Bundes-Vizechampion RAUMALPHA v. Friedensfürst/Mont du Cantal AA unter Elmar Lesch folgte auf Rang 24. An 41. Stelle pilotierte Derby-Dynamic-Cup-Sieger Kai-Steffen Meier seinen Nachwuchscrack Prosecco v. PARFORCE. FLEUR NOIR v. Königstraum xx/Mumpitz ging ihre erste CIC* mit Delia Mangelkramer und kam auf Rang 59 an. Der Trakehner Geländepferde-Champion L’ETOILE v. Handryk/Altan II vermasselte sich die Tour im Springen und landete auf Rang 73. BONITO PN v. Fontainbleau/Schwadroneur kam unter dem Österreicher Harald Riedl auf Rang 75 ein, und Altefeld’s BRANDENFELS v. Ildefonso xx/Oglio xx schließlich schaffte es unter Markus Hross noch auf Platz 99 in die Wertung. Stuteneintragung Am Samstag verlief parallel zum Turnier in der Veranstaltungshalle die Zentrale Stuteneintragung des Trakehner Zuchtbezirks Bayern. Eine gegenüber den vergangenen Jahren und auch im Vergleich mit anderen Zuchtbezirken erstaunlich große Zahl von 27 angehenden Zuchtstuten präsentierten sich der Kommission aus Zuchtleiter Lars Gehrmann, Neumünster, Frau Gisela Gunia, Uslar, und Bayern Zuchtbezirksvorsitzendem Dr. Lutz Schubert, Amberg. Bayerns Zuchtleiter Dr. Hartwig Tewes war wie immer gern gesehener Gast und für die Vergabe der Staatsprämienanwartschaft der richtige Ansprechpartner. Getreu dem Leistungsgedanken in der Zucht ist der Eintragung in Bayern stets ein freiwilliges Freispringen vorgeschaltet – ein Angebot, das inzwischen doch von einer ganzen Reihe von Züchtern gern angenommen wird. Die Stuten präsentierten sich zunächst also im Freilaufen in der Halle sowie gegebenenfalls im Freispringen, bevor am Nachmittag auf dem Dreieck vorgemustert wurde. Die acht vierjährigen und älteren Stuten waren traditionell zuerst „dran“. Hier siegte eine äußerst typvolle, rahmige Tochter des Vollblutarabers Normativ ox a.d. Piroschka v. Mandant aus der Zucht von Michael Firsching. Sehr schön modelliert, genügend groß und mit dem so gewünschten arabischen Überguss hatte Plenkity an diesem Tag nicht nur die Sympathien der Juroren, sondern auch die des Publikums für sich. Die vierjährige Stute bewegte sich beim Freilaufen hervorragend, zeigte auch ein sehr gutes Freispringen. Da sie ihre Leistungsprüfung bereits mit einer Wertnote von über 7,0 abgelegt hat, reichen die 54 Punkte der Eintragungskommission zur Verleihung der Verbandsprämie. Von Dr. Tewes wurde ihr die Staatsprämienanwartschaft zugesprochen – und am Ende des Tages konnte sie auch den Sonder-Ehrenpreis für die beste Halbblutstute in Prämienqualität mit nach Hause nehmen. Ihr folgte in der Rangierung eine mittelrahmige Tochter des S-Dressurhengstes Hofrat a.d. Satasca v. Santiago aus der Zucht und dem Besitz von Johann Kleinheinz. Sie punktete sehr mit ihrer Leichtfüßigkeit und einem vorzüglichen Schritt, wogegen man sich den Übergang von der Mittel- zur Hinterhand etwas pointierter gewünscht hätte. Trotzdem reichte es mit 53 Punkten für die Anwartschaft auf eine Verbandsprämie, wenn die Stutenleistungsprüfung entsprechend ausfällt. Die dreijährigen Stuten wurden auf drei Ringen gerichtet, aus denen schließlich sieben Stuten für den Endring ausgewählt und prämiert wurden. Unangefochtene Siegerin wurde hier mit einem souveränen Start-Ziel-Sieg die schwarzbraune Gipsy Flower II, eine Tochter des Gribaldi, Elitehengst in den Niederlanden und unter Edward Gal derzeit der erfolgreichste Trakehner in der Weltrangliste Dressur. Die Mutter Gipsy Rose v. Polarion ist eine Vollschwester des Multichampions Grafenstolz. Angepaart wurde Gipsy Rose noch vom unvergessenen Hans-Peter Heinen, Gestüt Heinen-Bönninghardt, Besitzerin der diesjährigen Siegerstute ist Verena Sontheimer aus Diessen. Zuchtleiter Lars Gehrmann lobte den unverkennbaren Trakehner Typ, die taktbeherrschten und bergauf getragenen Bewegungen. Wenn man an dieser Stute zu kritteln hätte, dann den nicht immer ganz gelassenen Schritt. Der Reservesiegerpreis ging an die schwarzbraune Sumeika v. Hibiskus u.d. Sophie III v. Athlet aus der Zucht und dem Besitz von Wilhelm Loher. Hervorragend herausgebracht und mit großen Partien ausgestattet, überzeugte diese Stute mit großer Antrittsstärke und Bewegungen in gutem Gleichgewicht. Sie machte sich groß, war stets motiviert und locker, in den Verstärkungen fehlte allerdings noch die letzte Kraft. Beide Stuten wurden von Dr. Tewes mit der Staatsprämienanwartschaft bedacht. In der Rangierung folgte eine spätreife, großrahmige Tochter des Inter-Dressursiegers K2 u.d. Diona v. Santiago aus der Zucht und dem Besitz der Familie Krein, der man vielleicht etwas mehr Trockenheit und Prägnanz in der Textur gewünscht hätte. Ein raumgreifender Schritt, herausragende Verstärkungsmöglichkeiten aus einem korrekten und gut untertretenden Hinterbein schlugen hier sehr positiv zu Buche. In der Gesamtpunktzahl gleich auf waren die folgenden beiden Stuten: Die herrlich aufgemachte, bereits tragende Rappstute Schöne Welt III v. King Arthur, der sich gerade anschickt, auf Grand-Prix-Ebene in den großen Dressursport einzugreifen, a.d. doppelt prämierten Schöne Zeit v. Herzzauber (Z/B: Hartwig Meinen). Geprägt von großem Adel, viel Noblesse und schöner Köperharmonie hätte man der Stute gewünscht, dass sie ein wenig aus der Reserve kommt und sich etwas geschmeidiger und schwungvoller präsentiert. Ebenfalls 54 Punkte und Prämienqualität hatte die noch recht grüne, ein wenig kantig auftretende Una Felicità Reale v. Kokoschka u.d. Uruquay v. Bartholdy, eine Halbschwester der gerade zur Elitestute des Trakehner Verbandes gekürten Urbanita aus der Zucht und dem Besitz des Gestüts Ranzenbach bei Wien. Sie gewann ungemein in der Bewegung, punktete mit souveränem Schritt und fleißigem Trab, wobei der Galopp noch etwas unausbalanciert war. Bei entsprechend benoteter Leistungsprüfung ebenfalls berechtigt für die Verbandsprämie sind die beiden letzten Stuten des Prämienrings. Polardiva, eine vornehme Tochter des K2 a.d. Polartänzerin v. Kostolany aus der Zucht und dem Besitz von Jörg Haussmann, stellte sich sehr souverän, stets motiviert und mit viel Übersicht dar. In feiner Aufmachung, mit guter Halsformation punktend, hätte man ihr etwas mehr Geschlossenheit im Mittelstück gewünscht. Die noch sehr spätreife, grüne Tochter des Hämelschenburger Siegerhengst-Vaters Summertime a.d Satasca v. Santiago, die bereits die zweitbeste Vierjährige stellte (Z/B: Johann Kleinheinz), punktete mit Antrittsstärke und geschlossenen Bewegungen, wobei man ihr etwas mehr Losgelassenheit gewünscht hätte. Alles in allem, so Zuchtleiter Lars Gehrmann, könne der Zuchtbezirk Bayern und seine Trakehnerzüchter sehr zufrieden mit diesem Jahrgang sein. Es hänge halt noch immer viel von der Präsentation ab, schrieb er den Züchtern ins Stammbuch, was man deutlich an der in manchen Fällen sehr unterschiedlichen Bewertung der Stuten beim Freilaufen und bei der Vorführung an der Hand gemerkt habe. Cross & Pleasure Eingebettet in die große internationale Vielseitigkeitsveranstaltung war die zweite Auflage der Verkaufsschau Cross & Pleasure, die sich mit einem Lot von rund 25 Pferden gezielt an Vielseitigkeits- und anspruchsvolle Outdoor-Reiter richtet. Hatten sich aus dem Lot des vergangenen Jahres drei Pferde fürs Bundeschampionat qualifiziert, so waren viele Interessenten erstaunt über die doch moderaten Preise, zu denen diese Rohdiamanten gehandelt wurden. Das Lot präsentierte sich mehrfach im Stadion, im Gelände und in der Halle und konnte von Interessenten ausprobiert werden. Erwartungsgemäß war auch in diesem Jahr das Interesse wieder groß, die meisten Pferde dürften in den Tagen und Wochen nach der Veranstaltung den Besitzer wechseln. Sehr zufrieden äußerte sich denn auch neben den Beschickern Jacob Schmid, Initiator der Veranstaltung, die von den Süddeutschen Zuchtverbänden in Zusammenarbeit mit dem Trakehner Zuchtbezirk Bayern durchgeführt wird. Eine dritte Auflage im nächsten Jahr ist sicher. Schauabend Der Zuchtbezirk Bayern lud am Abend nach der Stuteneintragung zum Schauabend anlässlich „275 Jahre Mythos Trakehner“ ein. Die Zuschauerränge waren gut besetzt, und manch einer mochte doch mit Reiter oder Besitzer eines der vorgestellten Cross&Pleasure-Trakehner sprechen x Ein prall gefülltes Programm mit Pferde-Prominenz vom Feinsten versprach – und hielt – einiges. Dr. Annette Wyrwoll und Tochter Stephanie im Sattel des Grandseigneurs Cornus und seiner Tochter Lacorna „dachten in Generationen“. Der Monsun xx-Sohn Shamal xx aus dem Gestüt Schlenderhan zeigte unter dem Sattel, dass Blut noch immer „der Saft ist, der Wunder schafft“. Die beiden Championessen von Kreuth und Ansbach, Domina und Laura Biagiotti, bewiesen, dass Bayern um den Vielseitigkeitsnachwuchs unter dem Sattel nicht bang sein muss. Beeindruckend und richtig unter die Haut gehend: „Habichts Erben“ – der 20-jährige Hengst Vivus mit ganz toller Ausstrahlung und ungemeiner Fitness an der Hand von Ulrich Buschmann und die wahre Phalanx an Nachwuchssportlern, die der mittlerweile 25-jährige und noch immer frische Parforce in der Kreuther Halle präsentierte. Schade allerdings, dass sich kaum noch Stuten aus dem gerade gekürten Prämienring der Eintragung den zahlreichen Zuschauern auf der Kreuther Tribüne zeigten. Handryk, der „Star des Ostens“, paradierte an der Hand von Peter Kunath und zeigte mit zwei Nachwuchspferden, dass seine Nachkommen auch im Vielseitigkeitssport Talente haben. Zenit, über Sporterfolge gekört, spielte unter Charles Kokxhoorn mit Lektionen der hohen Dressur, bevor eine rasante, gut choreografierte Quadrille in historischen Uniformen an das Kavallerieregiment Bayreuth zu Zeiten der Gründung des Hauptgestüts Trakehnen erinnerte. |