| Schnee, positive Bilanz und Podiumsdiskussion |
| Geschrieben von: Karin Schweiger | |
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Jahres-Mitgliederversammlung des Trakehner-Zuchtbezirks Bayern Man kann fast sein letztes Hemd drauf verwetten wenn der Zuchtbezirk Bayern zur Jahres-Mitgliederversammlung ruft, herrscht Schneechaos. Selbst im kühlen Sommer 2006/2007 schaffte es Petrus, den rührigen Vorständlern um Dr. Lutz Schubert Steine oder wohl eher schwer verwehte Schneeflocken en masse in den Weg zu legen. Trotzdem fanden über 50 Mitglieder den Weg nach Denkendorf, eine Zahl, die auf den ersten Blick bei rund 450 bayerischen Mitgliedern lächerlich wirkt, aber nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre in einem Nicht-Wahljahr respektabel ist. Von Seiten der Verbandsführung war auch nur Professor Müller aus Hessen abgesandt worden, was dessen Angebot einer Vermittlung auf dem langen Weg zwischen Bayern und Neumünster jedoch nicht schmälert. Als Schatzmeister des Verbandes konnte er, ohne konkrete Zahlen zu nennen, schon mal verraten, dass im abgelaufenen Geschäftsjahr sowohl Verband als auch GmbH aus den drohenden roten Zahlen heraus sind und ein positives Endergebnis schreiben werden. ZB-Vorsitzender Dr. Schubert mahnte nach dem von den Wahlen sowohl in Bayern als auch beim Verband beeinflussten Jahr 2006 doch im Jahr des 275-jährigen Bestehens der Trakehner Rasse erneut drängende Aufgaben bei der Umstrukturierung des Verbandes an und rief in Erinnerung, dass Visionen und Konzepte derzeit schmerzlich vermisst werden. Wir sitzen alle in einem Boot, schloss er seinen Appell. Erfreuliches war aus der Arbeit des Zuchtbezirks zu berichten. Mit den Ellinger Trakehnertagen, einer Idee der Fürstin von Wrede und der ortsansässigen Museen, ist ein echtes neues Trakehner Event mit recht gutem Anklang im Fränkischen entstanden. Cross & Pleasure, eine Vermarktungs-Kooperation mit den Süddeutschen Zuchtverbänden, hat seine Feuertaufe anlässlich des Internationalen Vielseitigkeitsturniers in Kreuth mit Bravour bestanden. Die Bilanz der züchterischen Veranstaltungen Fohlenregistrierungen, Zentrale Stuteneintragung, Stutenleistungsprüfung fiel unter dem Aspekt der Qualität erfreulich positiv aus, wogegen der Auftrieb fast überall zu wünschen übrig ließ. Ebenfalls sehr positiv verlief der Internationale Hengstmarkt für den Zuchtbezirk: Drei in Bayern gezogene Beschäleraspiranten traten in Neumünster an, alle drei verließen die Bühne als gekörte Hengste. Dazu kam mit dem Konvoi-Sohn Gandalf noch ein strahlender Siegerhengst der Körung des Araber-Zuchtverbandes. Auch sportlich konnte eine gute Bilanz gezogen werden: Bayerische Reiter mit Trakehner Pferden sind mehr als erfolgreich unterwegs, im ZB Bayern gezogene Trakehner machen national und z.T. auch international von sich reden Showtime, Ursprung und Peron Junior etwa in der Dressur, Schneesturm und Alaskatraum im Springen sind Namen, mit denen man auch nördlich des Weißwurst-Äquators durchaus etwas anzufangen weiß. Sehr erfreulich auch, dass viele Junioren mit Trakehner Pferden erfolgreich unterwegs sind. Das Trakehnerturnier in Kreuth Bayern ist nach wie vor der einzige Zuchtbezirk mit einem Turnier dieser Größe! schreibt noch immer schwarze Zahlen; das in diesem Jahr nicht optimal gelaufene Bundesturnier sah einen in heutiger Zeit sehr seltenen Zusammenhalt des gesamten Teams. Podiumsdiskussion Wer nun auf die angekündigte Kritik an den Hengsten der vergangenen Körveranstaltung Neumünster aus russischer Sicht gespannt war, wurde zum ersten Mal enttäuscht. Schließlich hatte man aus Foren oder gerüchteweise schon einiges an Kritikpunkten gehört. Vielmehr erfuhr man, dass im Bereich der ehemaligen UdSSR inzwischen mit rund 2.000 Stuten und 140 Hengsten gezüchtet wird im Vergleich zu rund 400 Stuten Anfang der 90er-Jahre. Auch sportlich sind Russlands Trakehner auf dem Vormarsch das russische Bundeschampionat sowohl in der Dressur als auch in den **- und ***-Vielseitigkeiten wurde von Trakehnern gewonnen. Nun, seis drum Elenas Ausführungen zum russischen Gestüt Kirow waren ebenfalls sehr interessant, wurde doch mit dem Gerücht, Kirow stelle seine Trakehnerzucht ein, vehement aufgeräumt. Von knapp 240 in Kirow zuchtaktiven Stuten sind wohl immer noch über 210 Trakehner Stuten. Es würden lediglich 50 Trakehnerstuten zum Zwecke der Erzeugung von Sportpferden mit Hengsten anderer Rassen belegt, der Rest verbleibe in der Reinzucht, versicherte Elena. Ein Schelm, wer als Trakehner Gegner Böses dabei denkt ... Sowas ist Wasser auf die Mühlen derer, die dem Trakehner noch immer die Eignung zum Sportpferd absprechen. Elena Werdenberg ließ uns auch teilhaben an den Problemen russischer Trakehnerzüchter und an dem, was russische Trakehnerzüchter dem deutschen Verband vorzuwerfen haben. Denn eine Lizenzgebühr für das Brenneisen musste der russische Verband sehr wohl zahlen, und die muss für russische Verhältnisse durchaus saftig gewesen sein. Dennoch kam wohl von Verbandsseite nichts zurück, keine Unterstützung, keine Auskünfte nicht mal Antworten auf Anfragen. So ging man dann flugs dazu über, sich der Zahlungen zu entledigen und die Fohlen mit eigenem Brand zu versehen. Jetzt hat man Zulassungsprobleme mit verschiedenen Stammmüttern der deutsche Verband beurteile Pedigrees völlig anders als in Russland, merkte Elena an. Ähnliches erfuhr man hinsichtlich der Hengstleistungsprüfungen, die in Deutschland anderes bewertet wurden. Sauer stößt den russischen Trakehnerzüchtern auch auf, dass hierzulande von deutschen Trakehnern und von russischen Trakehnern gesprochen wird. So wenig Information in Deutschland über russische Hengste zu bekommen ist, so sehr sind russische Züchter enttäuscht von den erhältlichen Informationen über in Deutschland zugelassene Hengste dort ist man nämlich gewohnt, Zahlenmaterial über Bedeckungs- und Fohlenzahlen und vieles andere selbstverständlich zu bekommen. Hätte Elena es bei den Ausführungen belassen, wäre das sicher eine Werbung für den russischen Trakehner gewesen. Doch das dazu vorgelegte Bildmaterial der Hengste, die in der in zwei Monaten beginnenden Decksaison in Kirow als Hauptbeschäler wirken werden, konnte bis auf wenige Ausnahmen nicht anders als abschreckend wirken. Sehr interessante Pedigrees wohl, aber Hengste, wie man sie vor 30 Jahren hierzulande fast nicht mehr gekört hätte ... Nur bei einem geringen Teil der Hengste waren Sporterfolge vermerkt, vornehmlich im Springen ob die anderen keine haben oder ob das nur nicht vermerkt wurde, wissen wir nicht. Fazit: Die Illusion vom russischen Super-Trakehner ist wie eine Seifenblase geplatzt es wird wohl dabei bleiben, dass man russisches Blut nur sehr begrenzt in eine westliche Trakehnerzucht einfließen lassen kann. Zu unterschiedlich sind die Ansprüche, zu unterschiedlich auch die Art der Reiterei. Karin Schweiger
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