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Nachlese aus Münster-Handorf
Geschrieben von: Karin Schweiger   

Die Entscheidungen der Körkommission fanden fast ungeteilte Zustimmung, die Hengstschau begeisterte auch Zuschauer aus dem Nicht-Trakehner-Lager.
Aufgrund der neuen gesetzlichen Regelungen im Bereich der Leistungsprüfungen war der Trakehner Verband in diesem Jahr nicht mehr zu einem späten Nachkörtermin gezwungen. Man nutzte die Gunst der Stunde und kombinierte die beiden großen Frühjahrsereignisse - die Nachkörung und die Hengstschau - zu einem großen Event in Münster-Handorf. Und das Konzept ist voll aufgegangen: Auch wenn die Bezeichnung "Frühjahrskörung" vielleicht nicht ganz zu einer Veranstaltung Anfang Februar passt, das Event selber konnte die Zuschauer auf den Rängen begeistern ...

Ein kleines Lot von neun Hengsten des Geburtsjahrgangs 2004, ein Zehnjähriger mit Sporterfolgen und zwei Vollblüter bewarben sich um die Anerkennung des Trakehner Verbandes. Und von blutmäßigem "Einheitsbrei" konnte da wirklich nicht die Rede sein - im Übrigen nach Aussage vieler Anwesender auch nicht von bedenklich kleinen Hufen bei Trakehnern ...

Unter den Junghengsten schaffte es nur VERGO v. Askar AA / Patron, ein drahtiger, gefälliger Athlet mit etwas ungünstiger Halslinie und momentanen Problemen in der riesigen Übersetzung, die Kommission von seiner Qualität zu überzeugen. Man schickte den Youngster nach Hause mit der Empfehlung, ihn nach Absolvierung der Leistungsprüfung nochmals vorzustellen.

SHOWTIME, 10-jähriger Sohn des Eliteanwärters Polarpunkt aus der Zucht und dem Besitz von Dr. Andreas Wezel, Burgkirchen, wurde nach einer Reihe schöner S-Erfolge unter der Kanadierin Leonie Bramall im vergangenen Jahr jetzt zur Körung über Leistung vorgestellt. Sicher im Erhaltertyp stehend, besticht der Dunkelbraune mit offensichtlich tadelfreiem Interieur und hervorragender Lektionensicherheit in Aufgaben der höchsten Dressurklassen.

Bei den Vollblütern konnte Rhodesian Winner xx, im richtigen Rennpferdetyp stehend, Zuschauer wie Kommission ähnlich wie bei der Vollbluthengstparade in Warendorf nicht überzeugen. Anerkannt, nun auch von den Trakehnern, wurde dagegen TIMOLINO xx, ein Monsun-Sohn aus der Zucht von Dr. Eleonore Wachtartz im bayerischen Marktbreit. Der Hengst ist 3- bis 8-jährig gelaufen in Flach- und Hindernisrennen, hat dabei 8 Siege und 15 Plätze errungen und war Champion der deutschen Hindernispferde. Seine Gesamtgewinnsumme beträgt 96.766 Euro, sein GAG in Hindernisrennen 89 kg, in Flachrennen 66,5 kg. Timolino xx hat sich im letzten Jahr einen schweren Sehnenschaden zugezogen, wurde deshalb in Münster auch nicht über Sprüngen gezeigt. Er ist bereits von Holstein anerkannt und befindet sich im Besitz und auf der Station von Lothar Völz, Wöhrden.

Wermutstropfen der ansonsten gelungenen Veranstaltung: Die zum Verkauf stehenden Reitpferde mussten sich vor fast leeren Rängen präsentieren, soweit von den Ausstellern zu erfahren war, lief der Verkauf auch mehr als schleppend.

Hengstschau

Münster-Handorf ist den Kinderschuhen wohl endgültig entwachsen - eine professionelle Schau, eine großartige Kollektion mit Blutvielfalt vom Feinsten. Wie eine westfälische Warmblutzüchterin bemerkte: Nachdem 14 Tage zuvor bei der westfälischen Privathengstschau die Leut' noch zum Klatschen in den Keller gingen - diesmal Stimmung pur und volles Haus! Vier Stunden super interessantes Programm mit reichlich Vollblütern - so richtig was fürs Auge. Da ließ man dann auch das Programm gern Makulatur sein ...

Gänsehaut-Feeling schon zum Einstand, als Otto Langels und Kostolany in alter preußischer Gardeuniform hereinkamen. 99 Jahre haben die beiden zusammen auf dem Buckel - und so manchem Zuschauer stand die Ergriffenheit ins Gesicht geschrieben.

Ein bisschen war es die "Schau der ersten Begegnungen": Eine ganze Reihe von Hengsten kam mit neuer oder Aushilfs-Berittmachung in die Bahn - eine Sache, die mal besser, mal schlechter passte. Ganz sicher perfekt passte das neue Dream Team Andrea Landy Silling und der Elitehengst Münchhausen, den man wohl selten zuvor in dieser Form gehen sah. Noch dazu sah man der leichten, feinen, geradezu in den Sattel geklebten Reiterin an, welchen Spaß und welche Freude sie auf dem Pferd hatte.

Ebenfalls durchweg positiv aufgefallen sind die Vorstellungen der Trakehnerhengste In Flagranti, Imperio und Zauberfürst aus dem bayerischen Haupt- und Landgestüt Schwaiganger. Von Friederike Schulz-Wallner locker und beschwingt vorgestellt - da war sich mancher Zuschauer sicher, dass das blau uniformierte Madel aus Schwaiganger im September in Warendorf die dominanten Farbszenerien revolutionieren wird ... In jedem Fall gab es durch die Bank nur Komplimente für die Reiterin, die Hengste und die Bemerkung, dass man zu Recht die weite Fahrt aus Bayern auf sich genommen hatte - das konnte sich wahrlich sehen lassen!

Alles andere als eine reiterliche Offenbarung dagegen die Hengste vom Klosterhof Medingen, die durch wenig altersgerechte Vorstellung missfielen. Das Publikum "dankte" es mit sehr verhaltenem Applaus, der wohl mehr der Qualität des Prämienhengstes Krokant galt denn seiner Vorstellung. Geteilte Meinungen gab es auch zu Lowelas und immer noch zu Easy Game. Dass Fiona Bigwood, die ihren Lowelas zum ersten Mal selbst vorstellte, noch Startschwierigkeiten in seinem Sattel hatte, war mehr als offensichtlich - die Zukunft wird zeigen, ob das Paar zusammenfindet ... Reiterlich geradezu eine "Hinrichtung" erfuhr der geniale russische Springhengst Heops - dem Vernehmen nach will Isabell Heckmann nach ihrer schweren Verletzung ab Ende dieses Sommers wieder in seinem Sattel Platz nehmen.

Vermisst hat man leider den Fuchshengst Lion's Club, der sowohl aufgrund seiner Eigenleistung in der Dressur als auch wegen des seltenen Ferrum-Blutes und seines tadelfreien Interieurs eine echte züchterische Alternative ist. Leider litt der Hengst am Schautag unter einer kleinen Infektion und wurde von seiner Besitzerin und Reiterin Karin Leissig zum Wohle des Pferdes zurückgezogen - Hut ab vor solch einer pferdefreundlichen Entscheidung!

Ein bisschen wurde die Hengstschau dann - im positiven Sinne - auch zum "Tag des Axis". Er selber - zum Bedauern vieler Zuschauer - nicht über dem Sprung gezeigt und auch er nach Verletzung von Terhi Stegars "fremdberitten", konnte ebenso überzeugen wie seine beiden Söhne Ballzauber und Hirtentanz. Ballzauber wirkte ja auf der Körung noch etwas unscheinbar und ging für viele überraschend an den US-amerikanischen Windfall-Reiter Darren Chiacchia. Der Hengst steht im Natursprung auf der Station Gorlo, wo er voraussichtlich bis zum Ende des Sommers bleibt, bevor er in seine neue Heimat fliegt und dereinst unter dem Namen Bogosse die Nachfolge von Windfall antreten soll. Ballzauber bewies in Münster, dass Darren sehr wohl guten Grund hatte, sich ausgerechnet dieses Pferd auszusuchen ...

Zu den Highlights der Schau gehörte sicher der Gast aus Polen: Czar, ein 9-jähriger Schimmel, in Deutschland noch nicht anerkannt, in Polen championatserfolgreich v. Lwow / Aragonit. Ein tolles Pferd, nicht nur von Größe, Rahmen, Trockenheit in der Textur und den bedeutenden Partien her - da passt einfach alles. Am Sprung eine Offenbarung, im Trab geradezu zelebriert - so richtig was fürs doppelorientierte Herz. Dazu coole Gelassenheit und ein Pedigree, das sich liest wie ein who is who des Hauptgestüts Trakehnen ...

Einen herzlichen Glückwunsch auch von hier aus an das Team vom Zuchtbezirk Westfalen, die hier eine tolle Werbung für das Trakehner Pferd auf die Beine gestellt haben! Und als kleine Mahnung ins Stammbuch der Trakehnerzüchter die Aussage einer restlos begeisterten westfälischen Warmblutzüchterin: "Verlauft Euch nicht in Eurem Hang zum 'schwarz, bitte - und schön!' Züchtet mehr Braune und Füchse - denkt an die alten Herden in Trakehnen, die waren nicht ohne Grund bewiesen. Einen Absatz-Fuchs sieht man nicht ohne Grund auch heute noch gern allerorten in Hannover ..."

Karin Schweiger
(nach Aufzeichnungen von Sabine Brandt und anderen)

 
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