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Die Trakehner Gemeinde traf sich zum nunmehr 10. Mal im Westfälischen Pferdezentrum Münster-Handorf sozusagen im Doppelpack gab es die jetzt als Nachkörung bezeichnete Frühjahrskörung und die große Hengstschau, organisiert vom Zuchtbezirk Westfalen.
Aus 13 angemeldeten und 10 vorgestellten Körkandidaten erschienen zwei der Kommission gut genug, um die Trakehner Zucht zu bereichern: Symont, ein Sohn des Siegerhengstes Monteverdi aus der Vollschwester des im bayerischen Gestüt Ammerland stationierten Hengstes Silvermoon, gefiel Zuchtleiter Lars Gehrmann als weit gereifter Hengst mit sehr athletischem Auftreten, sehr schönem Antritt vom Fleck weg, mit sehr bedeutenden Partien und besonders der Kruppenpartie, dabei beim Springen auch durchaus motiviert. Sehr energisch, sehr sicher auch in der Folge des Schrittes und begeisterte gerade auch im Gesichtspunkt der hervorragenden Vorfahrenleistungen und einer besonderen Dressurperspektive. Dramatiker, ein Sohn des Bardolino aus einer Altan II-Mutter aus dem Gestüt Ganschow, war schon 2006 in Neumünster vorgestellt, jedoch bis zur Ablegung der Leistungsprüfung zurückgestellt worden. Damals etwas unreif, hat er hervorragend aufgeholt ein bildschöner Hengst mit viel Aufsatz, großer, komfortabler Sattellage, hervorragender Halsung, viel Ausdruck, wirklich überragendem Freispringen, welches die gesamte Sportlichkeit auch die Beweglichkeit dieses Hengstes deutlich unterstrich. Auch heute unter dem Sattel als Vierjähriger, war das Springen mit einer hervorragenden Perspektive ausgestattet, so der Zuchtleiter. Strahlendes Wetter begrüßte dann die zahlreichen Zuschauer aus dem In- und Ausland, die Veranstaltungshalle in Münster-Handorf war bis auf den letzten Stehplatz ausverkauft. Und schon der Auftakt mit dem Hengst Zauberfürst (v. Interconti/Caprimond) gelangte zu einem Highlight: Einmal mehr begeisterte das fesche Madel in Blau die Zuschauer mit ihrer lockeren, feinen Art, junge Pferde vorzustellen. Friederike Schulz-Wallner präsentierte den Pachthengst des Gestüts Schwaiganger, der im vergangenen Jahr Trakehner Reitpferdechampion in Hannover und Vize-Bundeschampion in Warendorf war, in gewohnt souveräner Manier.
Mit vielen Highlights vermochte die Show die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Dass bei viel Licht auch Schatten ist, mag nicht verschwiegen sein, aber diese Schatten gab es auch im vergangenen Jahr schon
Hochinteressant das Wiedersehen mit einigen Hengsten aus dem inzwischen aufgelösten Gestüt Sommerlade: Adamello, sicher nicht einer der modernsten Vertreter seiner Rasse, aber mit enormer Rittigkeit und Nervenstärke punktend, brillierte mit bewundernswerter Lektionensicherheit auf Trense nach so langer Pause. Hibiskus, Chronist und Donaufels hatten noch nicht wieder zu alter Geschmeidigkeit zurückgefunden, hier haben die Ausbilder noch ein Stück auf dem Weg zu reiterlicher Harmonie vor sich. Schwaigangers ehemaliger Beschäler Imperio (v. Connery/Balfour xx), im vergangenen Jahr Champion der 4-jährigen Trakehner Reithengste in Hannover und knapp am Treppchen im Bundeschampionat vorbeigeschrammt, steht seit Ende 2007 bei seinem Mitbesitzer Hubertus Poll in Niedersachsen auf Station. Mit Anna-Sophie Fiebelkorn hat er auch dort begnadeten Beritt gefunden, die auf Friederike Schulz-Wallners exzellenter Vorarbeit nun aufbauen kann.
Anna Peetzy Merveldts langjähriger Schüler Michael Oldenbourg musste während der Hengstschau das Krankenhausbett hüten (gute Besserung!) und ließ sich im Sattel der Wiesenhof-Hengste Münchhausen und Monteverdi vom jungen Kilian Hüttner vertreten frisch vorwärts gerittene, wenn auch nicht ganz lektionssichere Vorstellungen, die viel Beifall erhielten.
Freilich lechzt die Meute stets danach, die frisch in Neumünster gekörten Junghengste auch in Münster-Handorf zu sehen. Kritisch muss man sich aber durchaus fragen, ob eine Vorstellung an der Hand diesen gerade frisch angerittenen Stars von morgen nicht weit gerechter würde als eine Präsentation unter dem Sattel. Kaum einer der anwesenden Youngsters vermochte sich denn auch in der Form von Neumünster zu zeigen. Auch Halimey Go (v. Askar AA/Pardon Go), Neuzugang im Gestüt Schwaiganger, wurde zwar von Friederike Schulz-Wallner sehr geschickt vorgestellt, war aber bei weitem noch nicht reif für so eine Präsentation.
Mit ganz viel positiven Eindrücken konnten sich u.a. Okavango in neuem Beritt von Weltklassereiterin Ingrid Klimke, Pricolino aus der Zucht des Meierhofs in Seeon mit großen Rittigkeitswerten und die mit Doppelveranlagung auffallende Familie aus Axis und seinen Söhnen Hirtentanz und Ballzauber in Szene setzen. Auch die Feuershow des Kasparow, der hier eine unglaubliche Gelassenheit an den Tag legte, konnte begeistern.
Eine respektable Garde an Springhengsten strafte das Vorurteil Lügen, dass Trakehner nicht springen können. Neben dem frisch gekörten Dramatiker und dem Überflieger Heops vermochten auch die Vorstellungen etwa von Bel Espace Go, Eloquent, Der Dürer und Lücke durchaus zu gefallen.
Ein kleines, aber feines Lot an Veredlern warb bei den Züchtern für den Saft, der Wunder schafft: der selbst springsporterprobte Tscheche Betel xx, vielleicht nicht ganz passenderweise unter dem Dressursattel vorgestellt, der mit viel Vorschusslorbeer ins Rennen geschickte Ire Ruffian Reef xx, der leider schon wieder Richtung Finnland entschwunden ist, und die frisch für die Trakehnerzucht anerkannte Araberriege des Haupt- und Landgestüts Marbach.
Gänsehautfeeling gab es zum grandiosen Finale, als Grandseigneur Caprimond mit seinen 23 Jahren topfit in Gesellschaft seines Sohnes Hohenstein und seines Enkels Münchhausen eine Elitehengstdynastie vom Feinsten in den Lektionen der großen Dressur zelebrierte.
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